· 6 Min. Lesezeit · Anna Fernandes Lucas
Wie Burnout High Performer leise prägt
Burnout bei High Performern kündigt sich selten laut an. Er kommt, wenn Wirksamkeit langsam zu Anstrengung wird.
Die meisten High Performer, mit denen ich arbeite, kommen nicht zu mir, weil sie aufgehört haben zu funktionieren. Sie kommen, weil sich – trotz weiter bestehender Funktionsfähigkeit – etwas leise verschoben hat. Die Arbeit, die einmal sinnvoll war, fühlt sich nun mechanisch an. Erholung scheint nichts mehr zu erholen. Sie sind müde auf eine Art, die Schlaf nicht repariert.
Burnout bei High Performern ist von außen oft unsichtbar, selbst für sie selbst, bis er ziemlich weit fortgeschritten ist. Der Grund ist strukturell: High Performer haben fast per Definition Leben aufgebaut, die Überanstrengung belohnen. Das System um sie herum bemerkt Output, nicht den inneren Zustand. So werden die Warnzeichen – einschleichender Zynismus, Verengung der Interessen, Reizbarkeit, das Gefühl, nur noch zu funktionieren – umgedeutet zu „Ich brauche nur Urlaub" oder „Ich muss noch ein Quartal durchhalten".
In der Therapie geht es im ersten Schritt selten um Produktivität. Es geht darum, dem Nervensystem zu helfen, zu verstehen, dass es sicher ist, langsamer zu werden. Erst dann können wir die tiefere Schicht betrachten – die Schemata (Perfektionismus, bedingter Selbstwert, Überverantwortung), die die Erschöpfung möglich gemacht haben. Ohne diese Schicht kommt das Burnout häufig wieder.

Fachlich geprüft
Anna Fernandes Lucas
Gründerin & klinische Leitung · Psychotherapeutin (HeilprG)
Alle klinischen Inhalte dieser Website werden von Anna Fernandes Lucas, Gründerin der International Psychology Clinic in München, fachlich verantwortet.
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